Über mich

Seit meiner Geburt im August 1953 verging in meiner Kindheit und Jugend kaum ein Tag, an dem ich nicht irgendwie Musik gemacht habe – allein oder unter elterlicher Anleitung – und so ist es auch nicht verwunderlich, dass ich im Mai 1968 nach einem John Mayall Konzert als 15jähriger begann, meinen eigenen musikalischen Weg zu gehen, indem ich der nylonbesaiteten Konzertgitarre meiner Mutter kurzerhand Stahlsaiten aufzog und anfing, darauf Blues wie John Mayall zu spielen.
Das verzog zwar dieser Gitarre gehörig den Hals – kurz darauf leider auch das Gesicht meiner Mutter, aber es brachte mir auch die absolute Gewissheit, dass ich unbedingt eine elektrische Gitarre und Verstärker brauchen würde, um die Musik machen zu können, die mir vorschwebte.
Also schnell die Stahlsaiten von der Gitarre meiner Mutter runter, die Nylonsaiten wieder rauf und von irgendwo her so viel Geld zusammen bekommen, dass ich mir eine elektrische Gitarre und einen passenden Verstärker kaufen konnte.
Meine Eltern wollten weder ein solches Instrument noch die darauf gespielte Musik unterstützen. Daher trug ich Zeitungen aus und arbeitete neben der Schule für zwei Mark in der Stunde in einer Gärtnerei. Ich sparte so lange, bis ich mir für 95.- DM im Ka-De-We eine Suzuki E-Gitarre mit drei Pick-Ups kaufen konnte.

Nun fehlte mir also nur noch ein passender Verstärker und daher beschwatzte ich meine Großmutter, mir ihr großes altes Röhrenradio, das sie nur selten noch benutzte, zu überlassen. Dieses Riesenteil hatte ich nun von Neukölln nach Tempelhof zu bringen. In eine Richtung ist das ein Weg von ca. 8 km. (siehe Karte rechts)
Da ich 1968 aber erst fünfzehn Jahre alt war, natürlich kein Auto besaß und das besagte Radio für öffentliche Verkehrsmittel einfach viel zu groß war, holte ich kurzerhand das Teil zu Fuß mit einem beim Nachbarn geborgten Bollerwagen bei meiner Großmutter in Berlin-Neukölln ab und brachte es – also den gesamten Weg zu Fuß wieder zurück – nach Tempelhof.


Dieses Radio hatte hinten einen Eingang, der eigentlich für Plattenspieler gedacht war. Ich habe diesen Eingang für meine Gitarre benutzt.
(siehe Foto unten)

Diese kleine Anekdote erzähle ich deshalb sehr gerne, weil sie meine immer vorhandene Bereitschaft, mit ein wenig extra Mühe das Erreichen eines besonderen musikalischen Zieles zu sichern, sehr deutlich zeigt. Diese Grundhaltung hat sich stets wie ein roter Faden durch alle meine weiteren musikalischen Aktivitäten der letzten Jahrzehnte hindurch gezogen und ohne diese Bereitschaft hätte ich sicher viele Ziele auch nicht erreichen können.
Meinen ersten echten und guten Gitarrenverstärker kaufte ich in England während eines Schüleraustauschs, da derartige Verstärker damals in Deutschland selten und außerdem sehr teuer waren.


Inzwischen war ich sechzehn Jahre alt, hatte durch einige Nebenjobs ein wenig Geld gespart und in den Sommerferien war ich über Jahre hinweg immer als Austauschschüler in Hitchin, Herfordshire. Dort entdeckte in einem kleinen Musikgeschäft für 40 englische Pfund einen gebrauchten VOX AC 30.
Wir schrieben wohlgemerkt das Jahr 1970 und der Transport eines solchen Verstärkers per Spedition nach Berlin verlief damals nicht so ganz ohne Komplikationen. Es dauerte fast ein halbes Jahr und endete mit einer schriftlichen Aufforderung des Hauptzollamtes zur Abholung in Berlin-Moabit.
Damals spielte ich eine Fender Telecaster und übte regelmäßig mit einer Band in einem Jugendheim in Berlin-Tempelhof. Diese Band hieß Gethsemaneh und spielte viele von mir geschriebene Songs, die ich zu Hause mit einfachen Heim-Tonbandgeräten aufgenommen hatte. Stilistisch orientierten wir uns an Bands wie Genesis, Pink Floyd und Yes.
Bis 1975 war diese Formation lokal aktiv und bekannt. Die Band spielte in leicht veränderter Besetzung noch bis 1980 weiter und hatte in ihrer Playliste auch einige meiner Kompositionen mit dabei.
Im März 1975 verließ ich die Band, um in Kiel Musik und Deutsch zu studieren.
In den Jahren des Studiums und dem darauf folgenden Referendariat spielte ich in diversen unterschiedlichen Bands in Kiel und Hamburg und begann langsam damit, mir ein kleines Homestudio einzurichten.

In den Jahren meines Studiums und bei der Arbeit an meinen eigenen Aufnahmen wurde das Klavier immer wichtiger für mich. Schon bald besaß ich ein Fender Rhodes E-Piano, das ich von da an intensiv und regelmäßig nutzte. Dieses Instrument wiegt zwar auch etwa 60 kg, aber mit der Hilfe eines „tragenden Freundes“ ist es überhaupt transportabel, was bei einem akkustischen Klavier völlig ausgeschlossen ist.
Im Bereich der Aufnahmetechnik hat sich in den achtiger Jahren sehr viel getan. Vier getrennte Spuren auf einer Kassette unterzubringen war im Jahr 1981 noch etwas ganz Besonderes. Ich besaß ab 1981 das TEAK Portastudio 144, mit dem ich in den folgenden Jahren intensiv arbeitete und dabei sehr viel über Aufnahmetechnik gelernt habe.
Als weitere technische Neuerung kamen ab 1983 elektronische Musikinstrumente und Geräte auf den Markt, die MIDI als gemeinsame „Datensprache“ verstanden. Natürlich besaß ich damals einen ATARI 1040 ST, weil er serienmäßig MIDI Buchsen für Ein- und Ausgänge besaß. Mit einer Sequenzer Software konnte ich damit bis zu 16 unterschiedliche MIDI Instrumente die vorher aufgezeichneten Spuren abspielen lassen und damit ganze „MIDI-Orchester“ nachbilden.
Meine erste MIDI Software war von Steinberg und hieß „Twenty-Four“. Damit konnte ich noch effektiver arbeiten, obwohl das System damals ausschließlich MIDI – also nur „musikalische Steuerdaten“ – verarbeiten konnte. Für alle Audiosignale gab es zusätzliche Geräte, die Sampler. Je nach Größe des Speichers, konnte ich damit einige Minuten Audio aufzeichnen und später synchron zu den anderen MIDI Instrumenten abspielen.
Die Entwicklung von Soft-/ und Hardware im Bereich der Musikproduktion läuft seit etwa 1983 ständig auf Hochtouren und präsentiert seit diesem Zeitpunkt eine gigantische Menge an neuen Möglichkeiten, deren Steigerung heute inzwischen fast nicht mehr möglich ist.



Es würde wirklich deutlich zu weit führen, alle Möglichkeiten eines solchen Systems einzeln aufzulisten – Musikern sind sie heute ohnehin meist bekannt. Mein System ist ein semiprofessionelles Home-Studio ohne HighEnd-Geräte, aber mit allen Eigenschaften der heutigen Musik-Hard-/ und Software – und die sind geradezu umwerfend.
Umwerfend ist hier durchaus das richtige Wort, denn die schier unendlich erscheinenden musikalisch-technischen Möglichkeiten können für Musiker auch sehr hinderlich sein. Gearbeitet wird heute üblicherweise mit einer DAW – einer DigitalAudioWorkstation = einem PC oder Mac mit passender Audio Hard- und Software. Die Bedienung eines derart komlexen Systems muss auf der Hard- und Software Ebene so erlernt werden, dass die kreative Arbeit an musikalischem Material schnell und ohne Hindernisse von der Hand geht. Die natürliche Kreativität muss erhalten bleiben und alle Schritte zum Produzieren von Musik müssen flüssig und ohne Unterbrechungen laufen.
Wenn ich heute an meiner DAW sitze und die grenzenlosen Möglichkeiten auf meinem Bildschirm sehe, die Emulationen der vielen unterschiedlichsten Geräte auf meinem Bildschirm musikalisch nutzbringend bedienen kann, gibt es für mich immer wieder eine Stimmung kindlichen Staunens über das, was mit einem solchen System alles möglich ist. Daran war vor 20 Jahren noch nicht zu denken und vor 40 Jahren war es in jeder Weise völlig ausgeschlossen. Vor 100 gab es keine Möglichkeit, Musik mit technisch Mittein aufzunehmen. Um die Musik wiederholbar zu machen, wurde sie mithilfe von Noten aufgeschrieben.
EINES GILT: Ohne den Zündfunken einer inspirierten Musik im Herzen und dem arrangierenden Überblick der Musik im Kopf ist es vollkommen überflüssig und unsinnig, dieses „Produktionsmonstrum“ anzuschalten. Man wird von den unendlichen Möglichkeiten geradezu erschlagen und man kann dann sehr schnell den kompositorischen Überblick verlieren.
Ist eine Idee da – hat Dich die Muse geküsst – kann ein solches System alle deine musikalischen Wünsche erfüllen und weit übertreffen.